Novene zur Heiligen Therese von Lisieux

Eine wunderschöne Novene.

Quelle:theresevonlisieux.de

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1. Tag: Waschtag

Im Kloster zu Lisieux ist Waschtag, Waschtag im Winter. Das Wasser ist eisig kalt und die Hände werden steif vom Frost. Schwester Theresia muss bei der Wäsche aushelfen. Die Schwester aber, die wäscht, ist unachtsam. Ohne Rücksicht patscht sie drauflos, so dass das kalte, schmutzige Waschwasser der Schwester Theresia in einem fort ins Gesicht und auf die Kleider spritzt.

Was tut Thersia daraufhin?

Läuft sie fort?
Nein, sie bleibt.

Fährt sie die unachtsame Mitschwester an, sie solle das gefälligst sein lassen?
Nein, sie schweigt.

Oder patscht sie etwa der anderen das Wasser geradeso ins Gesicht, wie sie es ihr tut?
Nein, das tut sie auch nicht.

Was tut sie denn?

Das erzählt sie selbst in der ihr eigenen Art: ”Mein erster Antrieb war, zurückzutreten, mir das Gesicht abzutrocknen und ihr zu verstehen zu geben, dass sie mir einen Gefallen erwiese, wenn sie sich ruhiger verhielte. Sofort aber überlegte ich, wie albern es wäre, Schätze zurückzuweisen, die mir so freigebig angeboten wurden. So hütete ich mich denn wohl, meinen Unmut merken zu lassen. Im Gegenteil überwand ich mich aufs äusserste und suchte nach einem reichlicheren Anteil schmutzigen Wassers zu verlangen. Und wirklich, nach einer halben Stunde hatte ich an dieser neuen Art Besprengung Gefallen gefunden. Ich nahm mir fest vor, so oft wie möglich an den gebenedeiten Platz zurückzukehren, wo solche Reichtümer umsonst ausgeteilt wurden.”

Gebet

Heilige Theresia vom Kinde Jesus! Hab Dank für das Beispiel der Verträglichkeit, das ich an dir bewundere und nachahmen will. Ich will wie du verträglich sein, will mich über die Verdriesslichkeiten des täglichen Lebens mutig und stark hinwegsetzen und in heiligem Opfermut im Regen der Lieblosigkeiten standhalten, um dafür mit dem Rosenregen deiner Erhörung begnadet zu werden. Amen.

 

2. Tag: Kritik

Am Vorabend eines Festtages waren zum Schmuck der Kapelle Blumensträusse ins Kloster gebracht worden. Grosse, schöne Blumensträusse von den Verwandten der Heiligen, einfache, schlichte von den Arbeitern des Klosters.

Schwester Theresia, die Sakristanin, gab sich alle Mühe, den Altar eindrucksvoll zu zieren. Eine Laienschwester steht neben ihr, um ihr zur Hand zu sein. Das ist sie auch, aber zugleich prüft sie mit kritischem Blick das Tun der Heiligen, von der sie allerdings noch nicht weiss, dass sie eine Heilige ist. Sie schaut prüfend zu, und plötzlich holt sie einem unüberlegten Wort aus, das zwar scherzhaft klingen sollte, aber doch schmerzlich wirken musste: “Man sieht wohl, dass die grossen Sträusse von Ihrer Familie kommen, die armen Leute müssen da wieder zurückstehen.”

Das war ein unüberlegtes Wort, das weh tun musste, denn Schwester Theresia dachte nicht im entferntesten daran, die Gaben ihrer Verwandten herauszustellen. Ihr einziges Ziel war es, die Blumen geschmackvoll aufzustellen. Das die Mitschwester ihr, wenn auch unüberlegt, eine unedle Absicht unterschob, musste sie kränken, denn so spricht die Liebe nicht.

Wie antwortet die Heilige?
Sie schweigt. Sie lächelt. Sie stellt die Sträusse der Armen in die vorderste Reihe, obwohl nun von einem gefälligen Schmuck des Altars keine Rede mehr sein kann.

So antwortet eine Heilige auf die Kritik. Dabei lässt es Theresia noch nicht bewenden, sie trägt vielmehr der Mitschwester jene Kränkung noch lange nach, bis nach ihrem Tode noch. Allerdings ist ihr Nachtragen nicht von der Art der Heiligen; denn als nach dem Hinscheiden Theresias jene Schwester voll Vertrauen die Füsse der Toten mit der Stirn berührte, war sie augenblicklich von einem langjährigen schweren Kopfleiden befreit. Gerade ihr wurde die erste Rose einer Gebetserhörung zuteil.

Gebet

Heilige Theresia vom Kinde Jesus! Ich preise Gott für die Seelengröße, die er dir verliehen hat. Ich freue mich, in dir das Vorbild zu besitzen, nach dem ich mich bei übler Nachrede richten kann. So starkmütig, wie du warst, bin ich nicht, aber in deiner Nachfolge will ich mit Gottes Hilfe in Zukunft eifrig danach streben, ruhig alle Kränkungen hinzunehmen. Amen

 

3. Tag: Schwester Petra

Da war im Kloster zu Lisieux die Schwester Petra – eine umständliche Person. Freilich darf man keine Steine auf sie werfen, sondern muss sie gütig zu verstehen suchen. Sehr jung war sie ins Kloster gekommen. Jetzt war sie alt und kränklich. Nie hatte sie den Karmel verlassen. In treuer Beobachtung der Ordensregel war ihr Leben jahrzehntelang gleichmässig dahingeflossen. Sicher war es ein gottgefälliges, heiliges Leben, aber im ewigen Einerlei ihrer Tage war die gute Schwester etwas eigenartig und sonderbar geworden, krank nicht nur am Leib, sondern auch im Geist. Sie war in ihrem Alter wieder Kind, wie das bei älteren Leuten zuweilen der Fall ist. An diesem alten Kind versah die junge Schwester Theresia Mutterstelle.

Lassen wir die Heilige selbst erzählen, wie das zuging:
“Jeden Abend musste jemand zehn Minuten vor sechs Uhr die Betrachtung verlassen und sie ins Refektorium führen. Es kostete mich viel, mich zu dieser Dienstleistung anzubieten, denn ich kannte die Schwierigkeit oder vielmehr die Unmöglichkeit, die arme Kranke zufriedenzustellen.
Trotzdem trug ich mich demütig an, sie zu führen. Nicht ohne Mühe gelang es mir, angenommen zu werden. Darauf begab ich mich mit dem besten Willen ans Werk. Jeden Abend, wenn ich sah, dass sie ihre Sanduhr bewegte, wusste ich schon, das bedeutete: ’Machen wir uns auf den Weg!’
Waren wir dann glücklich ohne Unfall im Speisesaal angelangt, so gabe es neue Schwierigkeiten. Ich musste meine arme Kranke an ihrem Platz unterbringen. Dann musste ich ihr noch die Ärmel zurückschlagen. Alles ‘auf gewisse Art’. Hierauf durfte ich mich entfernen.”

Ohne Zweifel war die Schwester Petra eine umständliche Person. Haben nicht auch wir Verwandte oder Bekannte, die ebenso in irgendeiner Weise umständlich und sonderlich sind?

Wie haben wir sie bisher behandelt? Wie werden wir sie in Zukunft behandeln?

Gebet

Heilige Theresia vom Kinde Jesus! So lieb und gut, wie Du gegen Deine Mitmenschen gewesen bist, möchte ich auch gegen alle Menschen werden. Hilf mir, dass ich mich an ihren Ecken nicht stosse und ihre Eigentümlichkeiten ertrage. Lass mich nach deinem Vorbild auch dem letzten und ärmsten Mitmenschen gegenüber lieb sein. Amen.

 

4. Tag: Rosen in Dornen

Streng ist das Ordensleben der Karmelitinnen. Gebet und Gottesdienst nehmen täglich sechs bis sieben Stunden in Anspruch. Die Fastenzeit dauert von Mitte Mitte September bis Ostern. Dazu kommen die Freitage und viele Vigilfasttage. Fleisch gibt es nur in schwerer Krankheit. Abgesehen von zwei Stunden, die der Erholung dienen, herrscht den ganzen Tag über strenges Stillschweigen. Ein grosser Teil der Zeit ist mühevoller Arbeit gewidmet. Das Kleid besteht aus grobem Wollstoff. Das Bett ist ein Strohsack auf drei Brettern. Auch im härtesten Winter wird im ganzen Hause nur ein einziger Raum, der Erholungssaal geheizt.

In dieses strenge Leben ging, fünfzehnjährig, die Tochter eines wohlhabenden Hauses, und von Anfang an bekam sie die ganze Härte des Karmel zu fühlen. Sie selbst wollte auch keine Erleichterungen.

Übrigens redet die Heilige in ihrer Lebensbeschreibung recht wenig von dem Großopfer ihres strengen Klosterlebens. Diese Opfer sind ihr selbstverständlich und des Erwähnens nicht wert. Dafür geht sie mehr auf Kleinopfer aus. Sie will es dem Kind auf seiner naiven, innigen Zärtlichkeit den Eltern gegenüber gleichtun, will Jesus durch die Liebkosungen der kleinen Opfer zu gewinnen suchen, will ihm durch Kleinopfer Freude machen, ihm durch Kleinopfer “Blumen streuen”.

“Das heisst”, so erklärt sie, ”ich will mir kein einziges kleine Opfer entgehen lassen, keinen Blick, kein Wort. So werde ich die Blumen streuen. Keiner einzigen Blume will ich begegnen, ohne sie für dich zu brechen. Auch wenn ich meine Rosen mitten aus den Dornen herausholen muss.”

Gebet

Heilige Theresia vom Kinde Jesus! Voll Bewunderung schaue ich zu dir auf. Wie gross bist du in deinen Opfern! Auch ich will mutig den Weg der kleinen Opfer gehen. Keinem Opfer will ich mehr begegnen, ohne es für den Heiland zu bringen. ”Auch wenn ich meine Rosen mitten aus den Dornen herausbrechen muss.” Amen.

 

5. Tag: Hypnotismus

Eines Tages unterhielten sich die Schwestern im Kloster zu Lisieux in der Abenderholung über Hypnotismus.

Der Hypnotismus ist ein bisher noch wenig geklärter, eigenartiger Vorgang, der darin besteht, dass ein Mensch einem andern Gewalt über seinen Willen gibt. Dann kann dieser Mensch nicht mehr tun, was er will, sondern muss tun, was der andere will. Wenn also beispielsweise der Hypnotiseur will, dass der Hypnotisierte einschlafen, so schläft er ein. Will er, dass der Hypnotisierte ein Lied singe, so tut er auch das. Der Hypnotisierte hat kaum noch einen eigenen Willen, sondern muss mehr oder weniger den Willen des Hypnotisieurs tun. Darüber hatten sich also die Schwestern im Kloster zu Lisieux unterhalten.

Anderen Tags kam Schwester Theresia, die aus allen Blüten Honig zu sammeln verstand, auf diesen Gesprächsstoff zurück und sagte mit sichtlicher Freude:
“Wie gern wollte ich mich vom Heiland hypnotisieren lassen. Das war mein erster Gedanke beim Erwachen. Mit welcher Liebe würde ich ihm meinen Willen übergeben! Ja, ich will, dass er sich meiner Fähigkeiten derart bemächtige, dass ich keine menschlichen und persönlichen Handlungen mehr verrichten könnte, sondern nur ganz vergöttlichte, die vom Geist der Liebe eingegeben und eingeleitet werden.”

“Ich will mich vom Heiland hypnotisieren lassen.” Was meint Theresia damit?

Sie möchte ihren Willen dem Willen des Heilands so sehr angleichen, dass sie nichts mehr will, was Christus nicht will, und alles will, wie Christus es will.
Sollen wir uns nicht auch vom Heiland hypnotisieren lassen?
Wir müssten dann allen Eigenwillen aufgeben und nur Jesu Willen erfüllen, wie er uns in den heiligen Geboten entgegentritt.

Gebet

Heilige Theresia vom Kinde Jesus! Ich übergebe nach deinem heiligen Vorbild unserem lieben Heiland meinen Willen, damit er ihn besitze, ihn erfülle und leite. Seine heiligen Gebote sollen mir in Zukunft besser als bisher einzige Richtschnur des Handelns sein. Stets will ich mich bestreben, nach Gottes heiligem Willen zu forschen und ihn auch kraftvoll durchführen. Amen.

 

6. Tag: Der kleine Weg

Eine Kindheitserinnerung ist der Ausgangspunkt des sogenannten Kleinen Weges, jener Auffassung vom Heiligwerden, die der kleinen Theresia eigentümlich ist. Theresisas Mutter besorgte morgens die Zimmer im ersten Stockwerk. Unten an der Treppe sitzt die Kleine. Sie will zur Mutter hinauf, aber es gelingt ihr nicht. Da ruft sie nach der Mutter, bis sie kommt und sie auf den Armen hinaufträgt.

Diese Kindheitserinnerung ist der Ausgangspunkt des Kleinen Weges. Der Gedankengang des Kleinen Weges aber ist dieser:
Theresia hat von frühester Jugend an das heisse Verlangen, heilig zu werden. Wenn sie aber an die großen Heiligen denkt, an ihre Abtötungen und Kateiungen, an ihre Nachtwachen und Fasten, so kommt ihr diese Heiligkeit vor wie ein gewaltiger Berg, dessen Gipfel sie mit mit ihren schwachen Kräften nie erreichen wird. Andererseits aber ist sie fest davon übzerzeugt, dass sie trotzdem heilig wird, weil Gott ihr keine unerfüllbaren Wünsche eingibt. Daher begibt sie sich auf die Suche nach einem, wie sie sagt, ganz geraden, kurzen und neuen Himmelsweg.

Bald hat sie ihn gefunden. Sie denkt an ihre gute Mutter zurück, von der sie in den Kindheitstagen aus lauter Mitleid mit ihrem Unvermögen die Treppe hinaufgetragen wurde, weil sie aus eigener Kraft nicht hinaufkam.

Und sie folgert weiter, dass Gott, der doch unendlich gütiger ist als die Mutter, es mit ihr ebenso machen und sie auf die Höhe der Heiligkeit hinauftragen wird, wenn sie ihn nur immer wieder kindlich darum bitte. Dann braucht sie keine Grosstaten im Reiche Gottes zu verrichten, sondern, treu im Kleinen, wid sie sich ganz der Güte Gottes überlassen. Gott aber wird sich ihrer erbarmen, rein aus väterlichem Mitleid mit ihrem Unvermögen. Er wird sie auf seine Arme nehmen und zur Heiligkeit und zur Heiligkeit und zum Himmel emporheben. Das ist ihr kleiner Weg.

Die Treue im Kleinen und ein massloses kindliches Vertrauen auf Gottes liebendes Vaterherz, das ist alles.

Gebet

Heilige Theresia vom Kinde Jesus! Lehre mich jenen Kleinen Weg gehen, auf dem du glücklich in den Himmel gelangt und Gottes Liebling geworden bist. Nach deinem heiligen Vorbild will ich mich bestreben, durch tägliche Opfer das Herz Gottes zu gewinnen, und mich im übrigen voll kindlichen Vertrauens auf seine väterliche Liebe verlassen. Amen.

 

7. Tag: Heilige Torheiten

Gleich nach dem Tode in den Himmel zu gelangen, war für Theresia in ihrer kindlichen Vertrauensseligkeit eine ausgemachte Sache. Als man sie daher in ihrer letzten Krankheit einmal fragte, unter welchen Namen man sie anrufen solle, erwiderte sie: ”Nennt mich kleine Theresia!”

So ist es auch geschehen. Sie ist und wird immer die Kleine Theresia bleiben, aber diese kleine Theresia hat ein grosses und weites Herz. Ihre Aufzeichnungen bezeugen es. Da heisst es an einer Stelle:

“Mein Vielgeliebter, verzeihe mir, wenn ich Torheiten rede und dir meine grossen Hoffnungen und Wünsche aufzähle. Ich verlange durch die ganze Welt zu eilen, deinen Namen zu verkünden und dein glorreiches Kreuz in den Heidenländern aufzupflanzen. Aber ein Missionsgebiet allein genügt mir nicht. Ich wollte das Evangelium in allen Weltteilen zugleich und bis auf den fernsten Inseln predigen. Ich möchte Missionar sein nicht nur während einiger Jahre, sondern ich verlangte vielmehr, es seit Anbeginn der Welt gewesen zu sein und es zu bleiben bis ans Ende der Zeiten.”

So denkt und fühlt die Kleine Theresia in ihrem grossen Herzen Gott gegenüber. Gottesliebe füllt ihr Herz bis an den Rand. Aus der Gottbegeisterung ihres Herzens kommen ihre himmelhohen Wünsche. Wie es dem Hass eigen ist, dem Gehassten alles erdenklich Böse zu wünschen, so wünscht ihre begeisterte Liebe Gott alles erdenklich Gute. Torheiten nennt sie selbst ihre Gedanken. Heilige Torheiten sind es.

Trotz alledem bleibt aber Theresia die vernünftige Theresia, die nicht Apostel wird, sondern den gewaltigen Tätigkeitsdrang ihrer grossen Gottesliebe zwischen den vier Mauern eines beschaulichen Klosters nur in den kleinen Dingen der Ordensregel betätigt. Nichts Grosses hat Theresia auf Erden vollbracht. Nur das ewige Hundertelei ihrer Standespflichten hat sie treu erfüllt. Dadurch allein ist sie heilig geworden. Das ist in neuer Sicht der Kleine Weg: Lasst uns in heiliger Gottesliebe ganz auf unserem Lebensposten stehen.

Gebet

Heilige Theresia vom Kinde Jesus! In hellem Licht sehe ich nun den Kleinen Weg, deinen Himmelsweg, vor mir liegen. Freudig will auch ich auf diesem Weg zu Gott emporsteigen. So gross soll meine Gottesliebe sein, dass ich auch den kleinen Pflichten meines Standes getrau nachkomme, jeden Tag aufs neue. Die Treue im Kleinen soll in Zukunft ganz besonders der Ausdruck meiner Gottesliebe sein. Amen.

 

8. Tag: Gottes Liebling

Neben der goldenen Treue im Kleinen müssen die Seelen, die den Kleinen Weg gehen wollen, ein kindliches, unerschütterliches Vertrauen auf Gott besitzen.

So war es bei Theresia. Sie erfüllte mit großer Liebe ihre kleinen Pflichten, und alles andere überliess sie Gott, von dem sie wusste, dass er die Liebe ist. Von Gottes väterlicher Güte erhofft sie alles. Mit naiver, kindlicher Selbstverständlichkeit trägt sie Gott ihre grossen und kleinen Anliegen vor, und Gott beeilt sich, diese Wünsche zu erfüllen.

Groß sind zum Beispiel die Schwierigkeiten, die sich ihrem Eintritt ins Kloster entgegenstellen. Selbst der Papst schlägt die Klostertür vor ihr zu. Trotzdem verliert Theresia das Vertrauen nicht. Damals schrieb sie an ihre Schwester:
“Mein Schiff findet schwer den Hafen. Schon lange erblicke ich ihn, aber immer noch sehe ich mich fern von ihm. Doch Jesus führt das Schifflein, und ich bin sicher, dass ich an dem von ihm bestimmten Tag glücklich an den Gestaden des Karmel landen werde.”

Ihr Vertrauen hat recht behalten. Als Fünfzehnjährige schon wird sie gegen alle Gewohnheiten aufgenomen. Theresia hat den Wunsch , dass auch ihre letzte Schwester in den Karmel eintritt. Sie tritt ein, über Berge von Schwierigkeiten hinweg. Kurz vor ihrem Tode, da alles schon auf die beginnende Auflösung hindeutet, sagt sie eines Abends: ”In dieser Nacht will ich nicht sterben.” Sie übersteht die Nacht.

“Wenn ich im Himmel sein werde, will ich auf Erden Wunder wirken”, versicherte sie. Sie hat ihr Wort wahr gemacht. Solche Beispiele gibt es noch manche in ihrem Leben. Wir möchten wohl über diese Vertrauensseligkeit lächeln. Gott lacht nicht darüber, sondern geht darauf ein. Gott liebt diese Kindlichkeit. Es ist also nicht recht, wenn wir immer nur das Miserere sprechen. Theresia lehrt uns vielmehr, dass wir uns wie Kinder kühn auch auf Gottes Knie setzen dürfen und dass er dann in liebender Väterlichkeit die Wünsche unseres Herzens erfüllt.

Gebet

Heilige Theresia vom Kinde Jesus! Nach deinem Vorbild will auch ich mich nicht mehr vor Gott fürchten. Ich will die Scheu und die Zurückhaltung ihm gegenüber ablegen. Wie ein Kind will ich mich in Zukunft stets voll unerschütterlichen Vertrauens an ihn wenden und ihm, wie du es mir gezeigt hast, sagen: ”Das möchte ich, gib es mir, denn du bist gut.” Amen.

 

9. Tag: Die Rosenheilige

Es war im September 1897, als im Krankenzimmer des Klosters zu Lisieux das folgende Gespräch geführt wurde.
“Nicht war”, fragte eine Schwester die Heilige, “Sie werden vom Himmel aus auf uns blicken?”
“Nein”, erwiderte Theresia, “ich werde herabsteigen.”

26 Jahre später wird irgendwo in Irland ein Kind geboren. Es ist das zweite Kind der Eltern. Frisch und gesund liegt es in der Wiege. Aber es hat den Anschein, als ob neben der Wiege des Kindes der Sarg der Mutter zu stehen käme. Blutvergiftung hat sich bei der Siebenundzwanzigjährigen eingestellt. Der Arzt weilt die ganze Nacht am Bett am Krankenbett, und am Morgen gibt er die junge Mutter auf. Die Kranke wird versehen.
In dieser Not beginnt man eine Novene zur heiligen Theresia vom Kinde Jesus. Auch die Erstgeborene der Familie – vier Jahre ist sie alt – wird angehalten mitzubeten. Am anderen Morgen kommt das Kind ins Krankenzimmer und legt ein paar Maiglöckchen auf das Bett der Mutter, die mit dem Tode ringt.
Der Vorgang bleibt zunächst unbeachtet. Allmählich wird man durch den anhaltenden feinen Duft auf die Blumen aufmerksam. Seltsam, Maiglöckchen duften doch nicht so. Man holt das Kind herbei und fragt es, woher es die Blumen habe. Da erzählt die Kleine in kindlicher Unbefangenheit:
“Eine Schwester ist vom Himmel heruntergekommen, gab mir die Blumen und sagte, sie wolle die Mutter gesund machen.” Die Mutter wurde wieder gesund.

So hat Theresia – es ist nur ein Fall unter vielen ähnlichen – ihre Vorhersage erfüllt.:
“Ich werde wieder auf Erden herabsteigen. Im Himmel wird der liebe Gott mir meinen Willen tun”, so hat die Heilige ein anderes Mal prophetisch gesagt, “weil ich auf Erden nach Kräften immer seinen Willen getan habe.”
Deshalb fällt seit ihrem Tode ununterbrochen jener Rosenregen, den sie zu senden versrprochen hat. Wie gross muss also unser Vertrauen auf die Fürsprache der heiligen Theresia sein! Wir legen am Schluss dieser Novene noch einmal all unsere Bitten . . . in ihre Hände, voll Hoffnung, dass die Rosenheilige auch uns Hilfe, Linderung und Trost bringt.

Gebet

Heilige Theresia vom Kinde Jesus! Du bist der Liebling Gottes. Du bist die Helferin in allen Anliegen. Inständig empfehle ich dir noch einmal all meine Sorgen. So hilf mir denn! Du hast versprochen, vom Himmel aus Gutes auf Erden zu tun. Tue es auch an mir! Lass das grosse Vertrauen, dass ich auf deine mächtige Fürbitte hege, nicht vergebens sein, sondern erflehe mir von Gott die gnädige Erhörung meiner Bitte. Amen.

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