RB 7,62-70: Die zwölfte Stufe der Demut (9.Februar, 10. Juni, 10.Oktober )

  1. Die zwölfte Stufe der Demut: Der Mönch sei nicht nur im Herzen demütig, sondern seine ganze Körperhaltung werde zum ständigen Ausdruck seiner Demut für alle, die ihn sehen.
  2. Das heißt: Beim Gottesdienst, im Oratorium, im Kloster, im Garten, unterwegs, auf dem Feld, wo er auch sitzt, geht oder steht, halte er sein Haupt immer geneigt und den Blick zu Boden gesenkt.
  3. Wegen seiner Sünden sieht er sich zu jeder Stunde angeklagt und schon jetzt vor das schreckliche Gericht gestellt.
  4. Immer wiederhole er im Herzen die Worte des Zöllners im Evangelium, der die Augen zu Boden senkt und spricht: “Herr, ich Sünder bin nicht würdig, meine Augen zum Himmel zu erheben.”
  5. Und ebenso sagt er mit dem Propheten: “Gebeugt bin ich und tief erniedrigt.”
  6. Wenn also der Mönch alle Stufen auf dem Wege der Demut erstiegen hat, gelangt er alsbald zu jener vollendeten Gottesliebe, die alle Furcht vertreibt.
  7. Aus dieser Liebe wird er alles, was er bisher nicht ohne Angst beobachtet hat, von nun an ganz mühelos, gleichsam natürlich und aus Gewöhnung einhalten,
  8. nicht mehr aus Furcht vor der Hölle, sondern aus Liebe zu Christus, aus guter Gewohnheit und aus Freude an der Tugend.
  9. Dies wird der Herr an seinem Arbeiter, der von Fehlern und Sünden rein wird, schon jetzt gütig durch den Heiligen Geist erweisen.
Zwei Gedanken scheinen für mich persönlich ganz wichtig in dieser zwölften Stunde der Demut.
1. Die äußere Haltung:
Ich kenne das von mir selber. Optimalerweise sind innere Haltung und äußere Haltung eins. Die innere Haltung spiegelt sich in der äußeren Haltung wieder. Ich selber werde ein Leben lang dazu brauchen, diese innere Haltung immer wieder anzustreben und annähernd in diese Haltung zu kommen. Das Äußere ist mir auf diesem Wege Hilfe. So als ob ich immer, wenn ich mein Haupt beuge mich selber daran erinnere. Es ist für mich zu einem “Hilfsmittel” geworden, mir immer wieder bewusst zu machen, wer ich (nicht) bin. 
Das Einüben und Praktizieren dieser Haltung ist etwas, das für mich wesentlich dazu gehört. So wie das Wort Gottes mich umformt, wenn ich es regelmäßig höre, so wird auch diese äußere Haltung irgendwann sozusagen verinnerlicht und fällt vom “Kopf ins Herz”, vom “Tun uns Leben”. Oft habe ich mich erwischt, wie meine Gedanken so überhaupt nicht demütig waren. Das “Neigen des Hauptes” hat mich dann immer wieder erinnert und meine Gedanken in andere Richtungen gelegt. Es ist für mich vergleichbar mit dem äußeren Beten und dem inneren Beten der Teresa von Avila. Sicher, der Vergleich hinkt, dennoch spielt es in meinem Leben ungefähr diese Rolle…
Durchs Praktizieren verinnerlichen.
2. Aus dieser Liebe wird er alles, was er bisher nicht ohne Angst beobachtet hat, von nun an ganz mühelos, gleichsam natürlich und aus Gewöhnung einhalten
Das ist etwas, das ich als “Hoffnung” ansehe. Es ist irgendwie einfach nur “lernen”. Da ist es auch so – am Anfang ist es mühsam, zeitaufwändig, und irgendwann wird es einfacher. Selbstverständlicher. Wenn ich denke, wie mühsam die ersten Englisch Vokabeln waren, und heute, so viele Jahre später kann ich mich einigermaßen in dieser Sprache verständigen….
So ist es – hoffe ich – auch mit der Demut. Dieses regel Kapitel ist wirklich “schwere Kost”. Stufe eins bis zwölf. Sowas wie vom ersten Latein Unterricht bis zum Latinum? Auf jeden Fall: Üben, üben, üben….  Gar nicht so einfach… Es erfordert ständiges “Dran bleiben”…. Eine wirkliche Herausforderung, die ich aber ja nicht alleine schaffen muss, sondern unter der führung des Evangeliums, mit der Hilfe Jesu und des Hl. Geistes und aller meiner Brüder und Schwestern.
Man stelle sich vor, wie die Welt wäre, wenn diese Regel unser Grundgesetz wäre…
So ist es für mich eine erstrebenswerte Herausforderung, mir diese Texte immer und immer wieder durchzulesen, “darauf rumzukauen”, sie zu üben – immer wieder von Anfang an:-)
Zitat von Arno Hahn via facebook seite Benediktinische Freunde
 ”zur DeMUT gehört auch viel Mut. Mut alles Gute das einem/einer gelingt, nicht sich sondern Gott zuzuschreiben. Auch die Nähe zu Gott darf uns nicht verleiten auf andere “Runterzuschauen” sondern unsere Nähe zu Gott, ist NICHT unser Verdienst, sondern die Gnade von Gott an uns. Wären wir eingebildet auf unsere Gottesnähe, wäre es das Selbe, wenn ein Stück Eisen stolz auf die Nähe zum Magneten wäre…”

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