? Was ist Kirche?Wer ist Kirche? Sind wir Kirche?

Hmmm. Unser verehrter Pfarrer pflegt im Friedensgebet zu beten:

“Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben Deiner Kirchen…”

Hmmm. Da habe ich lange daran zu denken gehabt. Kirchen, Kirche ist nach dem Verständnis der rk Kirche eben diese und die orthodoxen Kirchen. Das hat Papst Benedikt gesagt. Das ist also nichts, was auf meinem Mist gewachsen ist, sondern etwas, was der wohl klügste Theologe unserer Zeit gesagt hat.

D.h., dieses Dokument hat die Glaubenskongregation verfasst, aber diese veröffentlicht ja nichts, was der Papst nicht weiss, ausserdem ist dieses Dokument wie eine Fortführung des 2000 veröffentlichten Dominus Iesus, damals von Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongragation maßgeblich verfasst

Hier der Link zum Dokument mit dem hübschen Namen ANTWORTEN AUF FRAGEN ZU EINIGEN ASPEKTEN
BEZÜGLICH DER LEHRE ÜBER DIE KIRCHE

 

Wichtig hierbei ist folgende Passagen (aus “Antworten und Fragen…)

2. Frage: Wie muss die Aussage verstanden werden, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert?

Antwort: Christus hat eine einzige Kirche „hier auf Erden… verfasst“ und sie als „sichtbare Versammlung und geistliche Gemeinschaft“5 gestiftet, die seit ihrem Anfang und durch die Geschichte immer da ist und immer da sein wird und in der allein alle von Christus eingesetzten Elemente jetzt und in Zukunft erhalten bleiben6. „Diese ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen… Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, subsistiert in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird“7.

In der Nummer 8 der dogmatischen Konstitution Lumen gentium [....Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen (12).....Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird (13). Das schließt nicht aus, daß außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen. ....]  meint Subsistenz jene immerwährende historische Kontinuität und Fortdauer aller von Christus in der katholischen Kirche eingesetzten Elemente8, in der die Kirche Christi konkret in dieser Welt anzutreffen ist.

Nach katholischer Lehre kann man mit Recht sagen, dass in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, kraft der in ihnen vorhandenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit die Kirche Christi gegenwärtig und wirksam ist9. Das Wort „subsistiert“ wird hingegen nur der katholischen Kirche allein zugeschrieben, denn es bezieht sich auf das Merkmal der Einheit, das wir in den Glaubensbekenntnissen bekennen (Ich glaube … die „eine“ Kirche); und diese „eine“ Kirche subsistiert in der katholischen Kirche10.

4. Frage: Warum schreibt das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die von der voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche getrennt sind, die Bezeichnung „Kirchen“ zu?

Antwort: Das Konzil wollte den traditionellen Gebrauch dieser Bezeichnung übernehmen. „Da nun diese Kirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Gemeinschaft bis heute mit uns verbunden sind“13, verdienen sie den Titel „Teil- oder Ortskirchen“14 und werden Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt15.

„So baut die Kirche Gottes sich auf und wächst in diesen Einzelkirchen durch die Feier der Eucharistie des Herrn“16. Weil aber die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist, nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche ist, sondern eines ihrer inneren Wesenselemente, leidet das Teilkirchesein jener ehrwürdigen christlichen Gemeinschaften unter einem Mangel17.

Andererseits wird durch die Trennung der Christen die katholische Universalität – die der Kirche eigen ist, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird – in ihrer vollen Verwirklichung in der Geschichte gehindert18.

5. Frage: Warum schreiben die Texte des Konzils und des nachfolgenden Lehramts den Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind, den Titel „Kirche“ nicht zu?

Antwort: Weil diese Gemeinschaften nach katholischer Lehre die apostolische Sukzession im DomIESUSWeihesakrament nicht besitzen und ihnen deshalb ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins fehlt. Die genannten kirchlichen Gemeinschaften, die vor allem wegen des Fehlens des sakramentalen Priestertums die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben19, können nach katholischer Lehre nicht „Kirchen“ im eigentlichen Sinn genannt werden20.

 

Eigentlich sind damit alle Fragen geklärt, oder? Man kann dieses Dokument mögen oder nicht mögen, es ist aber das, was gemäß der rk Kirche unser Glaube, unsere Tradition und Überlieferung ist. Also nix mit “Wir sind Kirche” und auch nix mit “Kirchen”….

 

Also eigentlich ganz einfach, warum ist es nur immer wieder so schwer?

Ich habe hier noch ein paar Zitate von Benedikt XVI zu dem thema gesammelt:

Auslegung der Schrift

In der Kirche gehören die Heilige Schrift, deren Verständnis unter der Eingebung des Heiligen Geistes wächst, und der den Aposteln aufgetragene Dienst der authentischen Auslegung unlösbar zusammen. Wo die Heilige Schrift von der lebendigen Stimme der Kirche losgelöst ist, wird sie zum Diskussionsthema der Experten. Sicher, alles, was sie uns zu sagen haben, ist wichtig und wertvoll; die Arbeit der Gelehrten ist für uns eine beachtliche Hilfe, um jenen lebendigen Wachstumsprozess der Schrift erfassen und somit ihren historischen Reichtum verstehen zu können. Aber die Wissenschaft allein kann uns keine endgültige und verbindliche Interpretation liefern; sie ist nicht in der Lage, uns in ihrer Interpretation jene Gewissheit zu geben, mit der wir leben können und für die wir auch sterben können. Dafür braucht es ein grösseres Mandat, das nicht allein aus menschlichen Fähigkeiten entstehen kann. Dazu braucht es die Stimme der lebendigen Kirche, jener Kirche, die bis ans Ende der Zeiten dem Petrus und dem Apostelkollegium anvertraut wurde.

Predigt zur feierlichen Inbesitznahme der Kathedrale des Bischofs von Rom in der Lateranbasilika, 7. Mai 2005
Theologische Tätigkeit

Nur innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft, vereint mit den legitimen Hirten der Kirche, hat die theologische Arbeit einen Sinn. Sie erfordert selbstverständlich wissenschaftliche Kompetenz, aber auch und in nicht geringerem Masse den Geist des Glaubens und die Demut dessen, der weiss, dass der lebendige und wahre Gott, das Objekt seiner Reflexion, alle menschlichen Fähigkeiten unendliche übersteigt. Nur durch das Gebet und die Kontemplation kann man einen Sinn für Gott und die Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist erlangen, die die theologische Forschung fruchtbar werden lassen zum Wohl der ganzen Kirche und, ich würde sagen, der ganzen Menschheit.

Ansprache an die Mitglieder der Internationalen Theologenkommission, 1. Dezember 2005
Überlieferung

Die Kirche überliefert all das, was sie ist und glaubt. Sie überliefert es im Gottesdienst, im Leben, in der Lehre. Die Tradition ist also das lebendige Evangelium, das von den Aposteln in seiner Integrität auf der Grundlage der Fülle ihrer einzigartigen und unwiederholbaren Erfahrung verkündet wurde: Durch sie wird der Glaube den anderen Menschen übermittelt – bis zu uns, bis zum Ende der Welt. Die Tradition ist deshalb die Geschichte des heiligen Geistes, der in der Geschichte der Kirche durch die Vermittlung der Apostel und ihrer Nachfolger in treuer Kontinuität mit der Erfahrung der Anfänge wirkt.

Generalaudienz, 3. Mai 2006
Die wesentlichen und charakteristischen Merkmale der Kirche:

Die Kirche ist eine, wie die Pfingstgemeinde, die im Gebet versammelt und “einmütig” war: “Sie war ein Herz und eine Seele” ( Apg 4,32).
Die Kirche ist heilig, nicht wegen ihrer Verdienste, sondern weil sie , vom Heiligen Geist beseelt, ihren Blick fest auf Christus gerichtet hält, um Ihm und seiner Liebe gleich zu werden.
/Die Kirche ist katholisch, weil das Evangelium für alle Völker bestimmt ist; und aus diesem Grund lässt sie der Heilige Geist schon am Anfang alle Sprachen sprechen.
Die Kirche ist apostolisch, weil sie auf dem Fundament der Apostel errichtet ist und deren Lehren durch die ununterbrochene Kette der bischöflichen Sukzession treu bewahrt.

“Regina Caeli”, 27. Mai 2007
Die Kirche: Bewahrerin der Geheimnisse Christi

Die Kirche ist Bewahrerin des Geheimnisses Christi: sie ist es in aller Demut und ohne jeglichen Stolz oder Arroganz, denn es handelt sich um das höchste Geschenk, das sie ohne jedes Verdienst empfangen hat; und sie ist berufen, es umsonst der Menschheit aller Zeiten als Horizont des Sinnes und des Heils anzubieten. Es ist keine Philosophie, keine Gnosis, obwohl es auch die Weisheit und die Erkenntnis einschliesst. Es ist das Mysterium Christi, es ist Christus selbst, der Fleisch gewordene, gestorbene und auferstandene “Logos”, eingesetzt als König des Universums. Wie sollt man da nicht ein Gefühl dankerfüllter Begeisterung dafür verspüren, das man zur Betrachtung der Herrlichkeit dieser Offenbarung zugelassen worden ist? Wie sollt man nicht gleichzeitig die Freude und die Verantwortung spüren, diesem König zu dienen, seine Herrschaft durch Leben und Wort zu bezeugen?

Predigt am Christkönigssonntag, 25. November 2007
Das Wort Kirche hat mehrere Dimensionen

Das deutsche Wort Kirche ist von “kyriakos”, ” dem Herrn zugehörig”, genommen, in den romanischen Sprachen hat man sich an das griechische Wort angelehnt, das im Neuen Testament erscheint: “ekklesia”. Wer es zuerst gebraucht hat, wissen wir nicht. Aber die erste christliche Schrift, die es überhaupt gibt, der Erste Thessalonicherbrief, ist von Sankt Paulus, und dort erscheint sofort schon dieses Wort “ekklesia”, Kirche, genommen aus dem Alten Bund, wo es die Versammlung Israels vor dem lebendigen Gott, besonders die Versammlung am Sinai bezeichnet. So wird darin gesagt, dass diese neue Gemeinschaft, diese neue Bewegung, die durch die Auferstehung Christi entstanden ist, die Versammlung der Völker Gottes vor dem lebendigen Gott ist, die Versammlung die Gott selbst durch Christus, durch alle Völker hin und durch alle Zeiten hindurch, zusammenruft und die durch ihn eine lebendige Gemeinschaft wird. So hat dieses Wort Kirche mehrere Dimensionen.

Generalaudienz, 15. Oktober 2008
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Predigt von Padre Michael zu Papstwahl

Unser Pfarrer hat eine wunderschöne Predigt gehalten- an einem Werktag :-)

Kurz – prägnant und richtig gut

Ich möchte Euch hier den Sinn wiedergeben, an den genauen Wortlaut kann ich mich nicht mehr erinnern.

 

“In Deutschland wird zur Zeit viel spekuliert. Wie soll er sein, der neue Papst. Die Deutschen vergessen hierbei nur, dass sie in der Weltkirche eine verschwindend geringen Prozentsatz ausmachen, und dass nicht die Kirche in Deutschland, sondern die Weltkirche im Blick steht.

Einen “Schwarzen” wünschen sich viele. Man ist ja soooo weltoffen und tolerant.

Aber : Wehe Euch, es wird ein Schwarzer.

Denn in den Meisten Teilen der Welt werden diese Themen, die hier so heiss in der Diskussion stellen überhaupt nicht in Frage gestellt.

Zölibat, Homoehe, Frauenpriestertum sind in den meisten Ländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas kein Thema.

Wehe Euch, es wird ein Schwarzer – der ist dann vielleicht sogar noch vermeintlich konservativer, als Benedikt der XVI.

In Afrika wird zum Teil noch mit Zelebrationshandschuhen die Mese gefeiert. Bei 30 Grad im Schatten. Und manchmal sogar noch im alten Ritus.

Beten wir lieber um den Heiligen Geist, für Benedikt XVI und für die Kardinäle, dass sie einen guten Nachfolger Petri für die Weltkirche wählen”

Da darf ich dankbar sein, in meiner Ortskirche einen Priester zu haben, der den Mut hat, solche klaren Worte zu sprechen .

Danke

 

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