Er war verloren und ist wiedergefunden worden, Lukas 15,1-3.11-32. Kommentar Johannes Maria Vianney

Hl. Jean-Baptiste Marie Vianney (1786 – 1859), Priester, Pfarrer von Ars
1. Predigt über die Barmherzigkeit Gottes für den 3. Sonntag nach Pfingsten

 

„Er war verloren und ist wiedergefunden worden“

„Ich habe sehr schlecht gehandelt, als ich meinen Vater verließ, der mich so innig liebte; ich habe mein ganzes Vermögen verschleudert und ein schlechtes Leben geführt; ich bin in Lumpen gekleidet und voll Schmutz – wie kann mein Vater mich als seinen Sohn erkennen? Aber ich will mich ihm zu Füßen werfen und sie mit meinen Tränen benetzen; ich will ihn bitten, mich zu einem seiner Tagelöhner zu machen“… Sein Vater hatte schon seit langer Zeit Tränen vergossen, weil er ihn verloren hatte, und als er ihn von weitem kommen sah, dachte er nicht mehr an sein hohes Alter und an das Lotterleben seines Sohnes, er fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Das arme Kind, hocherstaunt, dass sein Vater ihn so liebte, sagte: „’Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein“. – „Nein, nein, mein Sohn“, ruft da der Vater,… „es ist alles vergessen; lasst uns nur noch fröhlich sein. Holt schnell sein bestes Gewand herbei und zieht es ihm an…; schlachtet das Mastkalb und lasst uns fröhlich sein; denn mein Sohn war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden worden“.

Was für ein schönes Bild, liebe Brüder, von der großen Barmherzigkeit Gottes gegenüber den erbärmlichsten Sündern… O mein Gott, welch schreckliche Sache ist doch die Sünde! Wie kann man sie nur begehen? Sobald wir jedoch – so erbärmlich wir auch seien, – den Entschluss fassen umzukehren, wird Gottes Herz von tiefem Mitleid erfasst. Der liebevolle Retter kommt den Sündern gnädig zuvor, er nimmt sie in den Arm und tröstet sie aufs Liebevollste… Welch wonnevoller Augenblick! Wenn wir das Glück hätten, das zu begreifen, wie froh wären wir da! Aber leider reagieren wir nicht entsprechend auf die Gnade, und schon sind die beglückenden Augenblicke verstrichen. Jesus lässt seine Diener zum Sünder sagen: „Man bekleide den Christen, der sich bekehrt hat, mit seinem Erstegewand, mit der Taufgnade, die er verloren hat; man bekleide ihn mit Jesus Christus, seiner Gerechtigkeit, seinen Tugenden und all seinen Verdiensten“ (vgl. Gal 3,27). So behandelt uns Jesus Christus, liebe Brüder, wenn es uns glückt, uns von der Sünde abzuwenden und uns ihm hinzugeben. Zu wissen, dass Gottes Barmherzigkeit grenzenlos ist – ist das nicht Grund genug, selbst für den größten Sünder, Vertrauen zu fassen!  

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Der wiedergefundene Vater Lukas 15,1-3.11-32

Evangelium nach Lukas 15,1-3.11-32. 
Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und ißt sogar mit ihnen.
Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:
Ein Mann hatte zwei Söhne.
Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht.
Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn.
Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an.
Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein.
Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle.
Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.
Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

 

Benedikt XVI., Papst von 2005 bis 2013
Enzyklika „Deus Caritas est“ § 12-13 (© Liberia Editrice Vaticana)

 

„Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn“

Das eigentlich Neue des Neuen Testaments sind nicht neue Ideen, sondern die Gestalt Christi selber, der den Gedanken Fleisch und Blut, einen unerhörten Realismus gibt. Schon im Alten Testament besteht das biblisch Neue nicht einfach in Gedanken, sondern in dem unerwarteten und in gewisser Hinsicht unerhörten Handeln Gottes. Dieses Handeln Gottes nimmt seine dramatische Form nun darin an, dass Gott in Jesus Christus selbst dem ,,verlorenen Schaf“, der leidenden und verlorenen Menschheit, nachgeht. Wenn Jesus in seinen Gleichnissen von dem Hirten spricht, der dem verlorenen Schaf nachgeht, von der Frau, die die Drachme sucht, von dem Vater, der auf den verlorenen Sohn zugeht und ihn umarmt, dann sind dies alles nicht nur Worte, sondern Auslegungen seines eigenen Seins und Tuns. In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten – Liebe in ihrer radikalsten Form. Der Blick auf die durchbohrte Seite Jesu, von dem Johannes spricht (vgl. 19,37), begreift, was Ausgangspunkt dieses Schreibens war: “Gott ist Liebe“ (1 Joh 4,8). Dort kann diese Wahrheit angeschaut werden. Und von dort her ist nun zu definieren, was Liebe ist. Von diesem Blick her findet der Christ den Weg seines Lebens und Liebens.

Diesem Akt der Hingabe hat Jesus bleibende Gegenwart verliehen durch die Einsetzung der Eucharistie während des Letzten Abendmahles. Er antizipiert seinen Tod und seine Auferstehung, indem er schon in jener Stunde den Jüngern in Brot und Wein sich selbst gibt, seinen Leib und sein Bluts… Die Eucharistie zieht uns in den Hingabeakt Jesu hinein… Die ,,Mystik“ des Sakraments, die auf dem Abstieg Gottes zu uns beruht,… führt höher, als jede mystische Aufstiegsbegegnung des Menschen reichen könnte.

Quelle: Evangelium Tag für Tag)

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